Der Franzosenfriedhof und das Monument Marceau in Koblenz-Lützel – ein besonderes Zeugnis deutsch-französischer Beziehungen

Das Monument Marceau in Koblenz-Lützel. | Bild: GDKE RLP Landesdenkmalpflege
Das Monument Marceau in Koblenz-Lützel. | Bild: GDKE RLP Landesdenkmalpflege
Portrait des François Séverin Desgraviers-Marceau, kolorierter Stich um 1830
Portrait des François Séverin Desgraviers-Marceau, kolorierter Stich um 1830
Der Tod des Generals Marceau, Stich Matthias Gottfried Eichler (1748-1821) und Abraham Girardet (1764-1823)
Der Tod des Generals Marceau, Stich Matthias Gottfried Eichler (1748-1821) und Abraham Girardet (1764-1823)
Französische Gefallenengräber von 1870/71 auf dem Franzosenfriedhof in Koblenz-Lützel. | Bild: GDKE RLP Landesdenkmalpflege
Französische Gefallenengräber von 1870/71 auf dem Franzosenfriedhof in Koblenz-Lützel. | Bild: GDKE RLP Landesdenkmalpflege
Relief von P. J. H. Lemaire am Arc de Triomphe in Paris, das den Tod des Generals in Altenkirchen zeigt. | Bild: Dr. Schumacher, Landesdenkmalpflege
Relief von P. J. H. Lemaire am Arc de Triomphe in Paris, das den Tod des Generals in Altenkirchen zeigt. | Bild: Dr. Schumacher, Landesdenkmalpflege
Obelisk in Höchstenbach.  | Bild: Dr. Schumacher, Landesdenkmalpflege
Obelisk in Höchstenbach. Ein Gedenkstein wurde auf Veranlassung von Marceaus Adjudanten Souhait 1797 errichtet und bezeichent die genaue Stelle, wo er verwundet wurde: « …il mourut estimé pleuré du soldat, de l’habitant et de l’ennemi. » Von Napoleon III. wurde 1863 ein Denkmal in Form eines Obelisken gestiftet. Eine der vier Inschriften lautet: „Deutsches Volk! Dieses einem edlen Todten gesetzte Denkmal wird deinem Schutze empfohlen, schütze es wie Deine Väter die alte Denktafel geschützt haben. 1941 ließ ein NSDAP-Kreisleiter aus dem nahen Westerburg das Denkmal sprengen. 1945 richtete die französische Besatzung das Denkmal in alter Form wieder auf. General de Gaulle nahm an der Einweihung teil. | Bild: Dr. Schumacher, Landesdenkmalpflege

„Das Gelände, auf dem sich die Gräber von 300 französischen Soldaten aus dem deutsch- französischen Krieg 1870/71 befinden, gehört zur Hälfte Frankreich und zur Hälfte dem Land Rheinland-Pfalz“, berichtet Oberstleutnant Jean Lenoir.1 Er ist Verbindungsoffizier beim Kommando Heer in Koblenz und ist Mitinitiator der Aktion zur Instandsetzung des französischen Soldatenfriedhofs, der bis zum Frühjahr 2013 in beklagenswertem Zustand war.

Das zentrale Denkmal in der Form einer Pyramide auf dem Friedhof an der Andernacher Straße in Koblenz-Lützel trägt den Namen des französischen Generals François Séverin Desgraviers-Marceau. Der seinerzeit sehr junge General der französischen Revolutionstruppen fiel im Jahr 1796 während der Revolutionskriege.

Ein weiterer Gedenkstein, ein Obelisk bei Höchstenbach im Westerwaldkreis bezeichnet den Ort, an dem Marceau tödlich verwundet wurde: Bei der Überwachung des Rückzugs seiner Division, am 19. September nahe der Poststrasse zwischen Frankfurt und  Köln wurde er bei Höchstenbach durch einen Gewehrschuss des aus Neuwied stammenden, 1796 in österreichischem Sold stehenden Tiroler Jägers Friedrich Hodler aus einem Versteck heraus seitlich in den Leib getroffen und dabei an den inneren Organen verletzt. Der Schütze "als Einzelkämpfer hinter den Linien operierend, […] ein Halbwilder, der den Krieg wie die Jagd betreibt und darauf ausgeht Beute zu machen".2

Marceau wurde tödlich verwundet zurück in das von den Österreichern besetzte Altenkirchen mit der Bitte transportiert, ihn und seine Begleitung nicht als Gegner zu behandeln. Er starb trotz sorgfältiger Versorgung vier Tage darauf, am 23. September 1796 in Altenkirchen mit 27 Jahren. Verschiedene Berichte beschreiben die Betroffenheit der österreichischen Seite über die für sie unrühmlichen Umstände von Marceaus Verwundung und Tod. Sein Leichnam wurde von österreichischen Truppen zuerst nach Neuwied gebracht, dann nach Koblenz, wo sich "Freund und Feind zu einer feierlichen Bestattung vereinigten". "[…] Ce jeune homme, regretté de deux armées, fut enseveli au bruit de leur double artillerie".3

Bestattet wurde der General auf dem später nach ihm benannten französischen Fort auf dem Petersberg in Koblenz-Lützel. Nach der Beisetzung seines ebenfalls jung verstorbenen Generalskollegen Hoche ein Jahr später ebenfalls auf dem Petersberg, wurden die Überreste Marceaus exhumiert und verbrannt. Die Asche des Verstorbenen wurde in einer Marmorurne bestattet. General Bernadotte soll als Koblenzer Stadtkommandant später die Urne entnommen haben und Marceaus Schwester übergeben haben.

Das klassizistische Grabmonument hat die Form einer Pyramide auf einem Quadersockel und war auf Veranlassung seines Freundes Kléber und nach einem Entwurf des Architekten Krahe errichtet worden.

1815 musste es den preußischen Festungsneubauten weichen und wurde abgerissen. Erst durch die persönliche Intervention König Friedrich Wilhelms III. wurde das Grabmal am Fuße des Berges in verkleinerter Form wieder errichtet. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 entstand rund um dieses Denkmal ein Friedhof für die französischen Soldaten, welche im Kriegsgefangenenlager II auf dem Petersberg verstorben waren.

Nach den Erfahrungen der zwei darauffolgenden blutigen Weltkriege im 20. Jahrhunderts trat am 2. Juli 1963 der unter dem Namen Élysée-Vertrag bekannte deutsch-französische Freundschaftsvertrag in Kraft. Der Vertrag regelt die Zusammenarbeit in allen wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik. Der Vertrag stellt einen historischen Meilenstein in den Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich dar. Er bereitete der dauerhaften Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen den Weg und bildet bis heute den politischen Rahmen für eine tiefe Freundschaft.

Zum 50-jährigen Bestehen dieses Vertrags wurde der Friedhof in Lützel wieder in einen würdigen Zustand versetzt. Deutsche und französische Soldaten entrosteten gemeinsam schmiedeeiserne Elemente der Grundstückseinfassung und entfernten Unkraut von den Grabstätten. Gemäß einer Instandsetzungsplanung des Koblenzer Grünflächen- und Friedhofsamts, die in Abstimmung mit der Direktion Landesdenkmalpflege in der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz entstand, wurde die ins Kraut geschossene Vegetation reduziert und die historische Wegeführung wiederhergestellt.

„Wir sind vom Infanterieregiment 110 aus Donaueschingen“, sagt Caporal Louis Benetti. Er ist einer der sechs Soldaten der Deutsch- Französischen Brigade, die neben den Soldaten des Bataillons für Operative Information aus Koblenz, und dem Führungsunterstützungsbataillon 283 aus Lahnstein emsig Hand anlegten. Den Löwenanteil trug der Schirmherr der Initiative Oberstapotheker Dr. Claus Lommer als Standortältester in Koblenz. Ihm und seinem Personal ist es gemeinsam ist es zu verdanken, dass dieses Projekt so umgesetzt werden konnte.4

Weitere erforderliche Maßnahmen

Weitere Steinrestaurierungsarbeiten sind allerdings noch erforderlich, um die Grabsteine zu sichern und das eigentliche Monument fachmännisch zu restaurieren.
Naturwissenschaftliche Untersuchungen durch das  Mainzer Institut für Steinkonservierung zu geeigneten Reparaturmörteln für die Pyramide wurden durch die Landesdenkmalpflege auf den Weg gebracht. Die Instandsetzung der Pyramide durch das Land ist ins Auge gefasst.

Fz 24.07.13


1 Vgl.: www.deutschesheer.de/portal/a/heer, konsultiert am 24.07.13

2 Volker Ecker, Der Jäger in Ortschronik der Gemeinde Höchstenbach 1994, S. 246 ff.

3 Adolphe Thiers, Histoire de la Révolution francaise, Paris 1823-27, Bd. 8, S. 420. Eine detaillierte, deutsche Beschreibung der Funeralien bei: www.dilibri.de, Die Franzosen in Koblenz 1794 bis 1797 nach Prof. Minola, um 1815, bearb. und herausgegeben von Dr. Hermann Cardauns, Koblenz 1916.

4 Ibid.

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